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Vom Hühnerstall aus erobern vier Räder die Welt




Es gibt Firmengeschichten, die beginnen in einer Garage. Die Geschichte von Gesslein beginnt in einem Hühnerstall. Dort nämlich entwickelte in den späten 1940er Jahren Georg Gesslein den ersten Kombi-Kinderwagen der Welt und revolutionierte mit seiner Idee eine ganze Branche.


Die Vorstellung war ihm schon seit Jahren im Kopf herumgespukt und im Laufe der Zeit zu einem Konzept gereift. Bis zur Umsetzung seiner revolutionären Idee sollte allerdings noch einige Zeit vergehen, in der er zunächst seine Fähigkeiten als Korbmacher perfektionierte. Nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft holte sich Georg Gesslein wertvolle Informationen zur praktischen Umsetzung seines Konzepts in einer heimischen Kinderwagenfabrikation. Zum Schlafen kam der junge Korbflechter in dieser Zeit kaum, denn nachts wurde getüftelt und gebastelt: Zusammen mit zwei Freunden, die sich vom Erfindergeist des Freundes anstecken ließen, fertigte er im Hühnerstall den Prototyp eines aus Peddingrohr geflochtenen Kombi-Kinderwagens, den man vom Neugeborenen- bis ins Kleinkindalter nutzen konnte. Weil er von der Innovationsfähigkeit seines Modells überzeugt war, meldete er den geflochtenen Kombi-Kinderwagen Ende der 40iger zum Patent an. Die drei Freunde hätten sich damals allerdings kaum träumen lassen, dass der Kombi-Kinderwagen eine solche Erfolgsgeschichte werden würde! 60 Jahre später werden weltweit fast nur noch Kombi-Kinderwagen verkauft - ihren Ursprung haben sie alle in einem kleinen Hühnerstall im oberfränkischen Redwitz.


Panorama-Kinderwagen als Verkaufsschlager

Mit der erfolgreichen Umsetzung seiner Kombi-Kinderwagen-Idee war Georg Gessleins Erfindergeist endgültig geweckt. Und so folgte wenige Jahre nach der Firmengründung im Jahr 1950 schon bald darauf die nächste Innovation. Georg Gesslein war inzwischen selbst stolzer Familienvater und wünschte sich für seine neugeborene Tochter bei gemeinsamen Spaziergängen quasi ein "Fenster zur Welt". Denn er selbst hatte beobachtet, dass sich die Kleine jedes Mal erschrak, wenn er sich über den Wagen beugte und dadurch ihren kleinen Sichtbereich verdunkelte. Es müsste einen Kinderwagen geben, der den Kindern schon im Babyalter einen Rundum-Blick und damit einen aktiven Kontakt zu ihrer Umwelt ermöglichte, so seine Idee. Also entwarf Georg Gesslein einen Kinderwagen mit einem 180-Grad-Panoramafenster im Liegebereich des Babys. Da gerade Ärzte und andere Experten damals die Bauchlage als Schlafposition für Babys nachdrücklich empfahlen, entwickelte sich dieses Modell in den 60er und 70er Jahren zum Verkaufsschlager. Gesslein besaß für diesen Kinderwagen Patente in 16 Ländern, dennoch wurde der innovative Entwurf mindestens ebenso oft kopiert.


Mit modischem Zubehör und "Swing" auf Erfolgskurs

Nach dem Tod des Firmengründers Georg Gesslein übernahm seine Tochter Traudl zusammen mit ihrem Mann Norbert Popp die Leitung des Unternehmens. Das junge Geschäftsführer-Paar hatte selbst zwei Kinder und daher ein gutes Gespür für die Bedürfnisse moderner Eltern. Schnell erkannten sie, dass nicht mehr nur das reine Kinderwagengestell nachgefragt wurde, sondern es auch auf passendes Zubehör und Accessoires ankam. Gesslein erweiterte daher seine Angebotspalette und bot zu jedem Kinderwagen fortan auch praktische und perfekt auf das Design abgestimmte Ergänzungsartikel an, wie Sonnenschirm, Fußsack oder Wickeltasche. Dieses modische Komplettpaket fand bei den Kunden großen Anklang. Parallel dazu schritt natürlich auch die technische Entwicklung der Kinderwagen weiter voran. Multifunktionalität, Komfort und Sicherheit standen bei allen Entwicklungen im Vordergrund. Ein besonders erfolgreiches Modell in den 1990er Jahren war der "Swing", einer der ersten Kinderwagen überhaupt mit Schwenkschieber, der sich ganze 15 Jahre am Markt hielt - in der schnelllebigen und innovationsstarken Kinderwagenbranche eine halbe Ewigkeit!


Neue Kinderwagen-Technik, innovative Kindermöbel und Textilien

Mit Beginn des neuen Jahrtausends hat bei Gesslein die mittlerweile dritte Generation der Familie Einzug ins Unternehmen gehalten. Die Geschwister Jeannine Merkl und Alexander Popp, die Enkel des Firmengründers, die seit 2010 auch Geschäftsführer sind, möchten an den Erfolg ihrer Eltern und Großeltern anknüpfen und setzen dabei auf eigene Ideen und neue Akzente. So hat Alexander Popp als gelernter Maschinenbauer den Ehrgeiz und Anspruch, seit 2005 jedes Jahr mindestens ein neues und selbst entwickeltes Kinderwagenmodell auf den Markt zu bringen, das sich an den unterschiedlichen Bedürfnissen und Nutzungsmöglichkeiten moderner Eltern orientiert. "Future F1", "F2", "F6", "F4", "F10", "F3" - hinter diesen schlichten Modellbezeichnungen steckt eine ausgefeilte Technik und der Beginn einer neuen Kinderwagen-Ära bei Gesslein!


Kinderwagen für alle Lebenslagen - vom komfortablen Allrounder bis zum sportlichen Buggy - sind nach wie vor das Kerngeschäft. Allerdings wurde die Palette um einige praktische und innovative Produkte erweitert. Zum Unternehmen Gesslein gehört seit je her eine Schreinerei, die früher für die Korbflechterei und anschließende Lackiererei benötigt wurde. In dieser Schreinerei wird heute in aufwendiger Handarbeit und mit viel Liebe zum Detail die Kindermöbelserie "Linie Jeannine" hergestellt. Eine Weltneuheit ist der von Gesslein entwickelte Babyschlafsack "Bubou". Mittels einer in der Weltraumforschung erprobten Technologie reguliert er die Schlaftemperatur des Babys und verbessert so Komfort und Sicherheit. Seit seiner Markteinführung vor 4 Jahren zählt "Bubou" zu den innovativsten Neuheiten im Bereich "Babytextilien".


"Innovation" und "Weltneuheit" - damit schließt sich der Kreis zu Firmengründer Georg Gesslein, der mit seinem Erfindergeist den Grundstein gelegt hat für die mittlerweile 60 Jahre andauernde Erfolgsgeschichte des Familienunternehmens. Denn was einst in einem Hühnerstall begann, ist heute einer der größten Kinderwagenhersteller in Deutschland.



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Gesslein GmbH

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